Die Buschmühle 
(Hintergrundinformationen zu unserem Zwingernamen)

 

Die Geschichte von der Mühle, die einst im Busche klapperte

600 Jahre „Buschmühle“ / Tidemann von Palsod nutzte als erster die Wasserkraft am Emscherstau

 „Vorgestern Abend wurde auf dem Gehöfte des Gutpächters Wortberg in der Kronenstraße der Kuhschweizer Kollar von dem im Brünninghauser Weg im von Rombergschen Steinbruch wohnhaften Bergmann Wüller durch einen Revolverschuss in die rechte Brust schwer verletzt. Der Zustand des Kuhschweizers ist, da Lunge und Leber anscheinend in Mitleidenschaft gezogen sind, hoffnungslos. Das Motiv der grausigen Tat ist wohl wieder Eifersucht. Der Bergmann Wüller und ein Freund desselben, ein im von Rombergschen Steinbruche beschäftigter Steinbrecher unterhielten nämlich eine Liebschaft mit den Wortbergschen Mägden...“

 Diese im August 1893 von der „Dortmunder Zeitung“ berichtete „grausige Tat“ hatte sich auf dem vom Rombergschen Gutshof „Buschmühle“ zugetragen. Der an der südlichen Grenze des damaligen Dortmunder Stadtgebietes gelegenen Gutshof umfasst 107 ½ Morgen Wiesen und Eisteiche sowie eine „Wassermühle auf dem Emscherflusse“.

Wechselnde Bezeichnung

 Der Ursprung dieser Mühle, die eine der sechs von der Emscher auf Dortmunder Gebiet betriebenen Kornmühlen, war lässt sich nicht mehr mit Sicherheit feststellen. Bereits im Jahre 1378 hatte der Rat dem Dortmunder Bürger Tidemann von Palsod den Emscherstau verpachtet mit dem Recht, dort ein Mühlenhaus zu errichten. Nachdem die Mühle in den Besitz der Dortmunder Grafen gekommen war, wurde sie – „des greven molen op der Emscher“, die nun schon aus Steinen errichtet war – 1446 von den Märkischen zerstört. Am 30 Januar 1453 verpfändete Marie von Lindenhorst, die Witwe des Dortmunder Grafen, die nun „Korte mole auf der Emscher neben Didinghofen“ genannte Mühle an Andreas Klepping. Eine Zeitlang scheint sie auch mit dem Rat unterstellt gewesen zu sein, daher auch die Bezeichnung „Ratsmühle“. 1661 erscheint sie endlich als „Hövelsche Mühle“

 In einem Stadtarchiv Dortmund aufbewahrten „Abriss der Situation der alten und neuen Emsch von der Clusen an bis unter die Busch-Mühle“ aus dem Jahr 1691 sind die Baulichkeiten zu erkennen und als „Buschmühle samt Scheuer“ bezeichnet. 1723 ist die Mühle im Besitz von Dr. Beurhaus, und für 1727 wird als Eigentümer Dr. Löbbecke genannt. Eine vom Landmesser Johann Gottlieb Preller um 1775 angefertigte Karte der Dortmunder Feldfluren zeigte die am „Emse-Fluß“ im „Löbeken Busch“ gelegene „Läbeken Mühle“ mit dem dazugehörigen Mühlenteich und zwei Fischteichen.

Restaurant Buschmühle im "Urzustand" 1894; Reproduktion nach einer zeitgenössischen Zeitung.

Schinken und frische Milch

 Karl Rübel erwähnt, dass die Buschmühle nach einem nahe bei den Teichen im Brunnenkap gelegenen Bauernhof zeitweise auch „Mühle beim Schwaben“genannt wurde. Am Ende des 18. Jahrhunderts muss sie zum Rombergschen Besitz gekommen sein. Der ursprünglich als „Mühlen-„ , „Schlepp-„ oder auch „Kohlenweg“ bezeichnete Verbindungsweg zwischen Innenstadt und Buschmühle wurde gern von Spaziergängern benutzt, die auf dem Mühlenhofe Schinkenbrot und frische Milch genießen wollten. Da dies für die biergewohnten Dortmunder auf die Dauer nicht ausreichte, beschloss die Renteiverwaltung des Freiherrn von Romberg, nach Nordosten an den Gutshof anschließen ein Restaurationsgebäude zu errichten, dass 1894 rechtzeitig zur Einweihung des Kaiser Wilhelm-Hains, eröffnet werden konnte. Unter der Leitung der Dortmunder Architekten Schmidtmann & Klemp war dort ein Saalbau entstanden, der mit seiner verglasten Veranda über 300 Gästen Platz bot. 

Johann Wortberg, der 1888 den Gutshof gepachtet hatte, war mit der gleichzeitigen Führung von Gutshof und Restaurant verständlicherweise überfordert; so wurde für die nunmehr als Pächterin der Restauration unter Vertrag genommene Germania-Brauerei durch Zeitungsanzeigen ein fähiger Wirt für die Buschmühle gesucht.

Frische Milch per eine PS 

 

Etablissement 1. Ranges

 Bemerkenswert ist die in dieser Anzeige enthaltene ausführliche Beschreibung des „auf dem von Rombergschen Gute gleichen Namens neu angelegten Etablissements ersten Ranges“. Sie lautet: „Die sehr günstige Lage am Kaiser Wilhelm-Hain, in unmittelbarer Nähe der Städte Dortmund und Hörde, kaum 10 Minuten von der Station „Wilhelmshain“ der elektrischen Straßenbahn Dortmund – Hörde entfern, die schönen Zugangswege, von Dortmund durch den Kaiser Wilhelm-Hain, von Hörde durch den Brunnenkamp, ein prächtiger Saalbau mit Veranden, elektrischer Beleuchtung, schönen Park- und Garten – Anlagen, ein viele Morgen großer Weiher für Kahnfahrten und Schlittschuhlauf, eine eigene große Quellwasserleitung, durch welche die wegen ihres schönen Wassers bekannte Pfingstquelle des Brunnenkamps dem Etablissement zufließt, sichern die Anlage die beste Zukunft. 

 

Der Dreck vom Sonntag

 Der erste Wirt, Heinrich Schneider, gab aber schon im Frühjahr 1894 Anlass zu Beanstandungen: Der Generalbevollmächtigte des Freiherrn von Romberg, Rechtsanwalt Schrop aus Hörde, beklagte sich bei dem Direktor der Gemania-Brauerei, Heinrich Asemann: „Täglich muß ich mich darüber ärgern, wie nachlässig und interesselos die Buschmühle geführt wird. Gestern mittag um halb vier, gerade als ich mit Haverkamp (Straßenbahndirektor d. Verf.) zur Besichtigung kam, fing man endlich an, den Dreck von Sonntag wegzufegen und zu schruppen. Dass um diese Zeit, wo der Verkehr anfängt, geschruppt wird, konnte ich nicht ahnen. Das geht so nicht weiter... Wenn Sie warten, bis Schneider für Kellner, Sauberkeit pp. Sorgt, und die Sachen einfach laufen lassen, so wird das Provisorium in diesem Sommergeschäft bedeutenden Schaden bringen.“

Nach solchen und ähnlichen anfänglichen Beschwerden bekam Heinrich Schneider aber „Schwung in den Laden“. Dazu trug auch die elektrische Lichtanlage bei, die nach einer Probezeit am 15. Juli 1895 bei der Stadt angemeldet wurde. Da der Mühlenbetrieb insbesondere wegen der wachsenden Bedeutungslosigkeit der wasserbetriebenen Kornmühlen bald eingestellt wird musste, benutzte man die Wasserkraft zum Betreiben einer Turbine zur Stromerzeugung. Vor allem durch die elektrische Park- und Teich-Illumination bei abendlichen Veranstaltungen, aber auch durch Konzerte, Kinderfeste usw. wuchs die Beliebtheit der Buschmühle so sehr, dass bereits 1898 der Saalbau ein Wirtschaftsgebäude und eine größere Veranda erweitert werden konnte. Bis zur Jahrhundertwende hatten die Gesamtbaukosten für die Restaurationsgebäude die stolze Summe von rd. 170 000 Mark erreicht. 

 

Allerlei kuriose Pläne

 Auch verstand es sich von selbst, dass Unternehmen verschiedenster Art versuchten, da ins Geschäft zu kommen. So gab es schon 1894 Interessenten, die eine Wasserkuranstalt „nach dem System Kneipp“ eröffnen wollten. Die Idee war nicht s weit hergeholt, wie es vielen erschien; immerhin hatten ja schon im 17. Jahrhundert im nahegelegenen Brunnenkamp die Stadtväter versucht, Dortmund zu einem „Kurort“ zu machen, um aus der damaligen Finanzmisere herauszukommen. 

  • (Die „Pfingstquelle“, von der noch in den 1920er Jahren Bürger „gesundes Wasser“ in Flaschen und Milchkannen holten, sprudelt heute noch im Westfalenpark). 
  • 1897 bot die Deutsche Wasserbahngesellschaft Berthold & Engel aus Leipzig den Bau einer imposanten Wasserrutschbahn am Buschmühlenteich an. 
  • Und etwa zur selben Zeit wurden mit Straßenbahndirektor Haverkamp Gespräche über eine gewünschte Straßen-Verbindung von Dortmund über die Buschmühle nach Barop geführt.

 

Eine Idylle der Ruhe

 Aus der heutigen Sicht ist es sicher erfreulich festzustellen, dass diese und andere Vorhaben aus den verschiedensten Gründen nicht in die Tat umgesetzt werden konnten – ist doch dadurch am Rande der Großstadt ein angenehm ruhiger und idyllischer Bereich enthalten geblieben. 

1904 übernahm Schneider den Bier- und Weinausschank der nahegelegenen Pferderennbahn, die einen erheblichen Teil der Besucher auch zur Buschmühle lenkte. Nachdem für kurze Zeit der „Restaurateur“ Theodor Reck aus Barmen, danach einige Jahre Friedrich Wibbeling die Buschmühle geführt hatten, über nahm gegen Ende des ersten Weltkrieges die Familie Duwe das Lokal – bis zur Zerstörung im Zweiten Weltkrieg.

Mit dem Ankauf der von Rombergschen Besitzungen – in einer geheimen Sitzung der Dortmunder Stadtverordneten am 31. Juli 1926 beschlossen – kamen auch der Bereich der Buschmühle und der Gutshof, der im südlichen Dortmund durch das von Johann Wortberg ab 1890 entwickelte Flaschenmilch-Geschäft en gewisses Ansehen bei der zahlreichen Kundschaft hatte, in kommunalen Besitz. Insbesondere durch intensive Milchviehhaltung – zeitweise standen bis zu 35 Kühe im Stall – wurde ein Durchschnittsertrag je Kuh und Jahr von über 6000 Litern erreicht. Täglich waren in den 30er Jahren bis zu vier von Pferden gezogenen Milchwagen unterwegs.


Rätsel ums Mühlenhaus 

Da es dem Verfasser bis heute nicht gelungen ist, eine Bildliche Darstellung des Mühlenhauses mit Mühlrad aufzufinden, schein sein Versuch einer zeichnerischen Rekonstruktion aufgrund verschiedener Unterlagen dem Original wenigstens Nahezukommen. 

Der wahrscheinlich interessanteste Hinweis ist ein im Jahr 1942 von dem Dortmunder Architekten Adolf Ott gestaltetes Modell für eine vorgesehene Umwandlung des gesamten Buschmühle-Bereichs in eine „schlicht-schöne und zeitgemäße Erholungsstätte“. Der Planungsbericht sah vor, dass natürlicher Mittelpunkt der neuen Buschmühle „die alte Wassermühle mit dem gemütlich wirkenden Krüppelwalmdach“ sein würde, die rekonstruiert und ausgebaut werden sollte. Das  zum Antrieb des Mühlenrades erforderliche Wasser sollte aus dem Teich in den Mühlegraben geleitet werden. Dieser Plan konnte wegen der Kriegereignisse nicht durchgeführt werden. 

In der Nacht zum 23. Mai 1944 kam dann ohnehin das vorläufig entgültige Aus für Gutshof und Restaurant. Der gesamte Komplex wurde Opfer des Bombenkriegs und war weiterhin nicht mehr bewohnbar.  

  • Erst 1959 entstand im Rahmen der Bundesgartenschau wieder ein Restaurant, das aber jeglichen Hinweis auf die jahrzehntelange Tradition dieses so beliebten Ausflugszieles vermissen ließ. 
  • Dem nunmehr seit vielen Jahren leerstehenden Gebäude, das bei vielen Besuchern des Westfalenparks unbeantwortete Fragen hinterließ, ist zu wünschen, dass nunmehr nach der Neu-Eröffnung auch die alte Tradition des „Geh´n wir mal zur Buschmühle“ wieder belebt werden kann. 

 

Die Buschmühle aus der Zeit bis zur Zerstörung im Zweiten Weltkrieg. Am 23. Mai 1944 stürzte der gesamte Komplex unter Bomben zusammen.

Die Buschmühle auf einer Postkarte von 1929


Die Buschmühle auf einer Ansichtskarte von 1899.

Quellangabe:

Verfasser: Oskar JÜNGER

Quelle: Heimat Dortmund; Stadtgeschichte in Bildern und Berichten

Zeitschrift des Historischen Vereins für Dortmund und die Grafschaft Mark e. V. 

Ausgabe 09/88

 

Ein Bild von der Buschmühle wie der Komplex heute aussieht:

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